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29.08.2019

GP Basel: Spannung, Spass und ein Überraschungssieger

GP Basel Formelsuper8 Super-8-Projektorenrennen
Alles bereit zum Startschuss: «FÖN», «GP-E Slow Motion» und «Camëös» am Start.


Beim ersten Grossen Preis von Basel der Klasse Formelsuper 8 lief fast alles wie am Schnürchen. Die Rennteams reisten aus allen Landesteilen an, und mit Sandro Mazzoni holte sich ein Aussenseiter den Titel

«Es wird wohl alles etwas improvisiert ablaufen.» Grösstes Sorgenkind von Rennleiter Primo Mazzoni an diesem heissschwülen Sommertag ist das Wetter. Für den Abend sagten die Wetterfrösche Gewitter an. Dennoch beschlossen die Rennleitung, die Rennbahn draussen auf dem Theaterplatz aufzustellen. Risikobereitschaft und Freude am Improvisieren gehören bei einem Rennen der Klasse Formelsuper 8 einfach dazu. Und was am Ende dastand, sah einfach toll aus: Neben der zehn Meter langen Rennbahn auf der erhöhten Bühne und mit rotem Teppich ausgestattet, hatten die Organisatoren noch ein kleines Wettbüro in separatem Häuschen eingerichtet.

Fön als Hilfsdüsenmotor
Sieben Rennteams hatten sich für den Grossen Preis von Basel angemeldet und zwar aus Basel, Bern, Zürich, Winterthur und Yverdon-le-Bains. Ab 21 Uhr durften alle Anwesenden erst einmal über den Einfallsreichtum stauen, den die Erbauerinnen und Erbauer in ihre Boliden steckten. Auffälligstes Modell: «Camëös» vom Kino Cameo in Winterthur, bei dem der Projektor auf dem Fahrgestell eines alten Puppenspielzeugwagens befestigt war. Charmant präsentierte sich aber auch die «SuperNovaNiere» vom Berner Lichtspiel. Ganz in Fell eingehüllt, verwandelten sie ihren Projektor in ein rotes Rennpferd. Als schöne Rennbolide im Retrostil putzte sich samt Rennpilot Fred Girardet das Modell «Grandmarquis» vom Analog Resistance Festival heraus.

GP Basel Formelsuper8 Super-8-ProjektorenrennenCharmantes Detail: Ein kleines Spielzeugpferd hoppelte der «SuperNovaNiere» hinterher.


Super-8-Rennprojektoren wollen nicht nur schön, sondern auch schnell sein. Punkto Antriebstechnik interpretierten die Rennteams die Spielregeln – die Projektoren müssen aus eigener Kraft das Ziel erreichen, grosszügig. Das Mobile Kino verwandelte das Objektiv ihres «Retrosppeders» in einen sogenannten Photonenstrahlantrieb. Durch das austretende Licht erhoffte sich das Team eine zusätzliche Beschleunigung, wie David Pfluger spasshaft erklärte. Zudem fuhr der «Retrosppeders» – wie sein Name schon vermuten liess, rückwärts. Das Rennteam Luke Skywalker und die Geföhnten (das auch super8.ch betreibt) setzte auf konventionellere Methoden und versah ihren «FÖN» mit einem Haartrocknungsfön als Hilfsdüsenmotor. Aus der Reihe dieser projektionstechnischen Eitelkeiten tanze das Modell «Super Ei-ght», welches vom Piloten Sandro Mazzoni weder optisch noch technisch aufgepeppt wurde.

GP Basel Formelsuper8 Super-8-Projektorenrennen
Letzter Check: David Pfluger mit seinem «Retrosppeder»

Schnell und schwer versus gemächlich konstant
Rund zweihundert Schaulustige versammelten sich bis zum Startschuss um 22.30 Uhr um die Renntribüne. Der GP von Basel sollte in zwei Vorrunden und einem Final abgehalten werden. In der ersten Vorrunde kämpften alle Boliden mit Startproblemen. Riss beim FÖN gleich mehrmals der Film, machte der Elmo «GP-E Slow Motion» seinem Namen Ehre und kroch im Schneckentempo voran. Camëös fuhr gar keinen Centimeter über die Startlinie hinaus. Den Finalplatz erkämpfte sich schliesslich FÖN hauchdünn vor dem «GP-E Slow Motion». In der zweiten Vorrunde setzte sich der «Super Ei-ght» gegen die aufgemotzte Konkurrenz durch. Gar nicht auf Touren kommen wollte dabei der vor dem Rennen noch sehr bewunderte «Retrosppeder». «Wir haben unser Projektor wohl etwas überfrisiert», stelle Pfluger am Ende selbstkritisch fest.

Im Final traten schliesslich zwei Boliden gegen einander an, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. «FÖN» – gross, schnell, glamourös versus «Super Ei-ght» – einfach, gemächlich, konstant. Oder um technisch etwas konkreter zu werden: ein Braun Visacustic digital, dessen Laufgeschwindigkeit sich auf 26.5 Bilder pro Sekunde hochschrauben liess, gegen eine kleinen BOLEX-Projektor, der nur mit 18 Bilder in der Sekunde lief.
Während dem Rennen machte dem «FÖN» einmal mehr das enorme Gewicht zu schaffen, welches ein Visacustic auf die Waage bringt: Riss nach dem Startschuss mehrmals der Film, arbeitet sich «Super Ei-ght» langsam aber konstant in Richtung Ziel. Pilot Sandro Mazzoni war sich seines Sieges so sicher, dass er kurz vor der Ziellinie seinen «Super Ei-ght» vom Strom nahm, damit der arg ins Hintertreffen geratene «FÖN» wieder etwas aufholen konnte. Dank Mazzonis Gentlemans Act blieb vor allem auch den Riesenspass des Publikums noch etwas länger erhalten.

GP Basel Formelsuper8 Super-8-Projektorenrennen

Im Kampf um den zweiten Finalplatz: «Super Ei-ght, «SuperNovaNiere» und «Grandmarquis».

 

Bildrausch Filmfestival Basel
19. bis 23. Juni 2019

GP-Gewinner Sandro Mazzoni und Moderator Mario Fuchs.

 

Formelsuper 8
Die ursprüngliche Idee eines Rennens mit Filmprojektoren stammt vom Internationalen Kurzfilmfestival Hamburg. Es wurde dort bereits in den 90er-Jahren ausgetragen und später vom Formelsuper 8 Festival in Zürich in der Roten Fabrik übernommen.
super8.ch/formelsuper8